Altendorf, Holsterhausen und Frohnhausen stehen im Fokus eines neuen Pilotprojekts, das heute in Essen vorgestellt wurde. Unter dem Titel „Senior:innen im Mittelpunkt – Beratung zur Teilhabe in Essen“ wollen die Contigo-Ruhr gGmbH und die Ehrenamt Agentur Essen e. V., gefördert von der Brost-Stiftung, ältere Menschen gezielt aus der Isolation holen – durch persönliche Begleitung, generationenübergreifende Angebote und aufsuchende Beratung direkt im Stadtteil.
Einsamkeit als drängende soziale Herausforderung
„Einsamkeit ist ein reales Problem in Essen – und sie betrifft viele ältere Menschen, oft still und unbemerkt“, betonte Janina Krüger, Geschäftsführerin der Ehrenamt Agentur Essen e. V. beim Pressegespräch im Zentrum 60plus Messings Garten. Gerade durch die Pandemie seien bestehende Sozialkontakte vieler Senior:innen dauerhaft eingeschlafen.
Auch Susanne du Bois vom Sozialbeirat der Brost-Stiftung erläuterte als Ideengeberin des Projekts den Fördergrund: „Die gesellschaftlichen Bedarfe sind akut. Wir brauchen solche mutigen und gleichzeitig sehr konkreten Ansätze, um soziale Teilhabe vor Ort zu organisieren.“ Die Projektlaufzeit ist auf drei Jahre angelegt – von Januar 2025 bis Dezember 2027. Ziel ist es, dauerhaft tragfähige Strukturen zu etablieren und das Modell auf weitere Stadtteile zu übertragen. Die Brost-Stiftung ermöglicht das Projekt mit einer Förderung in Höhe von knapp 750.000 Euro.
Teilhabelotsinnen und -lotsen geben Orientierung
Das Projekt vereint professionelle, aufsuchende Seniorenarbeit und aktive ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe. „Es gibt zwar eine Vielzahl an Unterstützungs- und Teilhabeangeboten in der Stadt – aber oft finden die älteren Menschen nicht selbstständig dorthin. Genau hier setzen wir mit unseren Teilhabelotsinnen und -lotsen an“, ergänzt Sherille Veira, kaufmännische Geschäftsführerin der Contigo-Ruhr gGmbH.
Diese speziell geschulten Lots:innen besuchen Senior:innen zu Hause oder auf Wunsch im Café, hören zu, beraten und eröffnen Wege zurück in die Gesellschaft. Im Gespräch geht es um das, was ältere Menschen bewegt: Was fällt im Alltag schwer? Wobei wird Unterstützung gewünscht? Welche Hilfen könnten hilfreich sein? Und: Wird Anschluss im Stadtteil gesucht? Die Beratung ist kostenlos, vertraulich und unverbindlich.
Ehrenamtliche Besuche gegen Einsamkeit
Gemeinsam werden niedrigschwellige Lösungen gesucht. Zum Beispiel der Kontakt zu einer /m Ehrenamtlichen für gemeinsame Spaziergänge, Besuche im Grugapark, eine Begleitung zur Veranstaltung im Stadtteilzentrum. Auch Hobbys und Interessen dienen als verbindendes Element: „Wir bringen Menschen zusammen, die etwa denselben Musikgeschmack haben oder gern Schach spielen – das schafft Nähe auf Augenhöhe“, sagte Glenn Reich, Projektleiter bei der Ehrenamt Agentur und ergänzt: „Der Tag hat 24 Stunden. Pflegedienste kommen morgens und abends, doch dazwischen sind viele ältere Menschen vollkommen allein. Der Stadtteil und die Welt da draußen vor ihrem Fenster scheinen ihnen verschlossen – es fehlt an Mut, Mobilität und oft an jemandem, der sie abholt und einfach mal mitgeht.“
Jetzt werden Engagierte gesucht – Vermittlung über Datenbank
Gesucht werden sowohl ältere Menschen, die sich Unterstützung wünschen, als auch Ehrenamtliche, die sich engagieren möchten. Bereits zwölf Freiwillige haben schon fest zugesagt, bei der Ehrenamt Agentur registrierte Ehrenamtliche werden aktuell angesprochen. Die Vermittlung erfolgt digital unterstützt, aber mit viel persönlichem Feingefühl und dem Blick auf Sicherheit z. B. durch die Anforderung eines erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses.
Generationen verbinden – Kinder und Jugendliche aktiv dabei
Ein weiterer Projektbaustein bringt junge Menschen ab acht Jahren mit alten Menschen in Senioreneinrichtungen zusammen. Die Ehrenamt Agentur hat im Februar 2025 das Teilprojekt Pat:innen für Senior:innen gestartet. Die Kinder- und Jugendgruppen werden altersgerecht auf das freiwillige Engagement für ältere Menschen vorbereitet. Gemeinsam werden Lese- und Bastelaktionen, Spiel- und Singnachmittage, Spaziergänge und Gespräche in Seniorenheimen organisiert, ausgerichtet auf die Wünsche der Senior:innen und das Knüpfen von Beziehungen zwischen Jung und Alt.
Studierende begleiten die Kinder und Jugendlichen bei ihrem Engagement.
„Viele Kinder und Jugendliche haben selbst keine Großeltern. Der Kontakt zu älteren Menschen tut ihnen gut – und den Senior:innen genauso“, so Angie Landes, Projektleiterin bei der Ehrenamt Agentur.
Senior:innen im Stadtteil erreichen
Um Senior:innen zu erreichen, sprechen die Projektpartner gezielt Multiplikator:innen an und suchen relevante Orte im Stadtteil auf – etwa Arztpraxen, Pflegedienste, Seelsorgeeinrichtungen, Wohnungsbaugesellschaften oder das Zentrum 60plus.
Auch die Situation älterer Menschen mit Migrationsgeschichte wird mitgedacht: Um Sprachbarrieren abzubauen und Zugänge zu erleichtern, werden bei Bedarf Sprachmittler:innen einbezogen und Kontakte zu Migrantenselbstorganisationen gesucht.
